• Andreas Brandolini
    DEUTSCHES WOHNZIMMER
    ENSEMBLE FÜR DIE DOCUMENTA 8
    1987
    Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, und Andreas Brandolini
    Foto: Martin Adam, Berlin

  • Möbel perdu (Michel Feith)
    LEUCHTE „TYRANNO“
    1984
    Kunststoff, Glühlampe
    Privatbesitz
    Foto: Martin Adam, Berlin

  • Stiletto Studio,s
    SHORT REST/CONSUMER’S REST
    1988/1983
    Lackierter Stahl, Kunststoff
    Stiletto Studio,s/Merve Verlag
    Foto: Martin Adam, Berlin
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

  • Axel Kufus/Ulrike Holthöfer
    BADE-REGAL
    1985
    Kunststoff
    Axel Kufus
    Foto: Martin Adam, Berlin
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2014 für das Werk von Ulrike Holthöfer

  • Axel Kufus/Ulrike Holthöfer
    TISCHLEUCHTE „LICHTERSTRAUSS“, 1985
    Telefonkabel, Kabelbinder, Leuchtkörper
    Axel Kufus
    Foto: Martin Adam, Berlin
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2014 für das Werk von Ulrike Holthöfer

  • Volker Albus
    LICHTSTELE „A 59“
    1983
    Plexiglas
    Privatbesitz
    Foto: Martin Adam, Berlin

  • Heinz H. Landes
    FREISCHWINGER „SOLID“
    1986
    Beton, Armierungseisen
    Privatbesitz
    Foto: Martin Adam, Berlin
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

  • Axel Stumpf
    TISCH KUMPEL II
    1986
    Spitzhacken, Glasplatte
    Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt
    Foto: Martin Adam, Berlin

  • Bellefast
    „MEDIA ROBOT (TOTEM)“
    1982
    Sperrholz, laminiert
    Max Moormann
    Foto: Martin Adam, Berlin

  • Herbert Jakob Weinand
    TEPPICH BERLIN
    1985
    Wolle
    Privatbesitz
    Foto Martin Adam, Berlin

  • Idris Kolodziej
    FOTO AUS EINER FOTOSERIE VON IDRIS KOLODZIEJ UND HERBERT JABKOB WEINAND FÜR DIE AUSSTELLUNG „DESIGN IM FOTO“ IN DER GALERIE WEINAND
    1989
    Fotografie
    Repro: Martin Adam, Berlin

  • Idris Kolodziej
    FOTO AUS EINER FOTOSERIE VON IDRIS KOLODZIEJ UND HERBERT JABKOB WEINAND FÜR DIE AUSSTELLUNG „DESIGN IM FOTO“ IN DER GALERIE WEINAND
    1989
    Fotografie
    Repro: Martin Adam, Berlin

  • Eva Maria Ocherbauer
    DIE TÖDLICHE DORIS, KÜNSTLERHAUS BETHANIEN
    Ca. 1986/87
    Fotografie

  • Eva Maria Ocherbauer
    ANDREAS BRANDOLINI
    Fotografie

Ausstellung vom 17. Oktober 2014 bis
1. Februar 2015, Bröhan-Museum, Berlin

In den 80er Jahren machten in den westdeutschen Großstädten Künstler und Designer mit schrillen, bizarren, brachialen, ironischen und zum Teil kitschigen Möbeln und Objekten Furore. Die Bewegung, die Neues Deutsches Design genannt wurde, stand ähnlich wie die Neue Deutsche Welle oder der Neue Deutsche Film für einen radikal neuen Ansatz: Design außerhalb des Systems der industriellen Produktion und gespeist aus allen möglichen kulturellen und subkulturellen Quellen. Zum ersten Mal blickt nun eine groß angelegte Ausstellung mit historischem Abstand zurück auf dieses Phänomen, das nur eine kurze Hochphase hatte: von 1982, als in Hamburg eine erste Ausstellung mit dem Titel „Möbel perdu – Schöneres Wohnen“ stattfand, bis zur Wiedervereinigung. Das Neue Deutsche Design ist deshalb auch ein Zeitdokument für ein Deutschlandbild, wie es heute nicht mehr existiert, und eine der letzten großen kulturellen Leistungen der alten Bundesrepublik.

Eine junge Generation von Gestaltern hatte unabhängig voneinander Anfang der 80er Jahre in der ganzen Bundesrepublik und in West-Berlin damit begonnen, grundlegend mit der Tradition der „Guten Form“ zu brechen. Vom Deutschen Werkbund vor dem Ersten Weltkrieg begründet, vom Bauhaus meisterhaft exerziert und nach dem Zweiten Weltkrieg von der Hochschule für Gestaltung Ulm zur Perfektion gebracht, hatte das deutsche Design unter den Schlagworten „die Gute Form“ oder „die Linie der Vernunft“ einen ganz eigenen Designansatz geprägt, der mit Rationalität und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen fußend nach einer sachlichen, unemotionalen und möglichst effizienten Gestaltung für die Dinge suchte. Mit der 68er-Bewegung und den gesellschaftlichen Veränderungen, die die sozialliberale Koalition in den 70er Jahren angestoßen hatte, war diese auf Rationalität und industrielle Fertigung fixierte Designhaltung in die Krise geraten. Nun sollten die Möbel und Objekte Geschichten erzählen, die gesellschaftliche Situation reflektieren, oder zum Nachdenken über das deutsche Selbstverständnis anregen. Sie durften, wie Christian Borngräber formulierte, den Sehnerv verletzten, nicht jedoch das Sitzfleisch. Bei Schulz-Pilaths Tisch Tarantula krabbelt eine Spinne durchs Wohnzimmer, mit Stilettos Consumer´s Rest Lounge Chair sitzt man in einem transformierten Einkaufswagen, mit der Stehleuchte A59 holt Volker Albus die Autobahn in die Wohnung, die Gruppe Kunstflug verbindet Natur und Künstlichkeit in ihren Baumleuchten und mit dem Beistelltisch Pershing domestiziert Herbert Jakob Weinand den Kalten Krieg.

„Schrill Bizarr Brachial. Das Neue Deutsche Design der 80er Jahre“ zeigt etwa 80 der wichtigsten Entwürfe des Neuen Deutschen Designs, darunter Möbel und Objekte von Stiletto, Volker Albus, Heinz Landes, Andreas Brandolini, Wolfgang Flatz, Axel Kufus, Jasper Morrison und der Gruppen Möbel perdu aus Hamburg, Kunstflug aus Düsseldorf, Pentagon aus Köln, Ginbande aus Frankfurt sowie Bellefast und Cocktail aus Berlin. Auch einige historische Ausstellungsinszenierungen konnten rekonstruiert werden, etwa das „Deutsche Wohnzimmer“ von Brandolini für die Documenta 8 oder ein Ensemble der Hamburger Galerie Möbel perdu. Zu sehen sind außerdem einige Stücke aus der Ausstellung „Kaufhaus des Ostens“, die 1985 schon einmal an diesem Ort präsentiert wurde – in den Räumen des Deutschen Werkbunds im heutigen Bröhan-Museum. Die Ausstellung macht die Entwürfe der diversen Künstler, Designer und Designgruppen wieder sichtbar und wirft einen neuen Blick auf diese Strömung der 80er Jahre.

Folgende Künstler, Designer und Fotografen sind in der Ausstellung vertreten:

AD US (Manuel Pfahl, Bettina Wiegandt )
Florian Aicher
Volker Albus
Bellefast (Andreas Brandolini, Max Moormann, Joachim B. Stanitzek)
Stefan Bumm
Cocktail (Heike Mühlhaus, Renate von Brevern)
Die Tödliche Doris (Nikolaus Utermöhlen, Chris Dreier, Wolfgang Müller)
Anno Dittmer
Wolfgang Flatz
Ginbande (Uwe Fischer, Achim Heine)
John Hirschberg
Idris Kolodziej
Axel Kufus
Kunstflug (Heiko Bartels, Harald Hullmann, Hardy Fischer, Charly Hüskes)
Heinz Landes
Anna Maske
Möbel perdu (Michel Feith, Rouli Lecatsa, Claudia Schneider-Esleben)
Jasper Morrison
Eva Maria Ocherbauer
Susanne Neubohn
Pentagon (Gerd Arens, Wolfgang Laubersheimer, Detlef M-V, Reinhard Müller, Ralph Sommer)
Claudia Rahayel
Moritz Reichelt
Stefan Maria Rother
Gerd Schulz-Pilath
Inge Sommer
Hans-Peter Stange
Stiletto Studio,s
Axel Stumpf
Siegfried Michail Syniuga
N.U. Unruh
Hermann Waldenburg
Herbert Jakob Weinand